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Die Zukunft des Preflight

Um eine Vermutung über die Zukunft wagen zu dürfen, muss man die Vergangenheit kennen und verstehen. Preflight hat bereits eine Wandlung hinter sich gebracht. Ich will kurz darstellen, was Meilensteine des Preflights waren, und darauf basierend ein paar Folgerungen ableiten:

 

Preflight – Wie alles begann

Mitarbeiter prüften ursprünglich jede eingehende Datei händisch

Laut Wikipedia wurde der Begriff „Preflight“ für die Druckindustrie erstmals im Jahre 1990 verwendet. Damals prüften Druckvorstufen-Mitarbeiter händisch eingehende Dateien. PDF war noch nicht erfunden, geliefert wurden .ps und .eps-Dateien. Ferner gab es für diese Dateiformate keinerlei Editoren oder gar Software für automatisierte Qualitätsprüfung. Für einige verbreitete Applikation, wie QuarkXPress, gab es native Preflights.

Mitte der 90er begann der Siegeszug des PDF-Formats als Standard für Druckdateien und es wurden die ersten Lösungen für eine software-gestützte Fehlersuche vorgestellt. Eine der ersten Software-Lösungen hatte den schönen Namen „1Vision“ :-).

 

Preflight in den 2000er Jahren

Produktionslinie Preflight in den 2000ernDie Verbreitung und die allgemeine Zugänglichkeit des PDF-Dateiformats sorgte dafür, dass viele Menschen ohne profunde Design-Ausbildung in der Lage waren PDF-Dateien zu erstellen und an Druckereien zu senden. Die Qualität der zu druckenden Dateien nahm entsprechend ab. Außerdem sorgten neue PDF-Versionen für immer mehr Optionen. Händische Fehlerprüfung war jetzt nicht mehr schnell genug und es wurden folgerichtig die ersten Preflight-Automaten vorgestellt.

Das Konzept und die Grundidee war bei den ersten Preflight-Lösungen gleich: Ich muss VOR dem Druck automatisiert herausfinden, ob eine Datei überhaupt druckbar ist – die Umsetzung war allerdings schon damals höchst unterschiedlich. Die meisten Anbieter haben auf die damals von Adobe zur Verfügung gestellte PDF Library gesetzt und mit deren Hilfe versucht, Dateien zu analysieren. Meistens lief das darauf hinaus, dass der sogenannte „Header“ des PDFs ausgelesen wurde.

OneVision wollte sich nicht auf diesen Header und erst recht nicht auf die PDF Library verlassen. Wir wollten den Problemen genauer auf den Grund gehen. Dazu haben wir PDF-Dateien (genauso wie EPS- oder PS-Dateien) in ihre Einzelteile zerlegt und anschließend die Elemente sowie den Dateiaufbau mit unserer eigenen Library untersucht. Damit konnten wir wesentlich genauere und zutreffendere Aussagen über die Dateiqualität machen.

 Datei vor dem Preflight   PDF-Fehlerbericht des Preflights

Eine weitere Herausforderung – unabhängig von der Analysetechnologie – ist es, dem Anwender möglichst akkurat, dabei aber verständlich, die Preflight-Ergebnisse mitzuteilen. Es gibt auch hierbei komplett unterschiedliche Ansätze: von simplen Textprotokollen bis hin zu PDF-Berichten, in denen die Fehler visualisiert sind.

Der Trend in diesen Jahren war: Weg vom manuellen Prüfen, hin zum professionellen Werkzeug für die umfassende Fehlersuche und -korrektur.

 

Preflight in den 2010er Jahren

Preflight wurde in den 2010ern immer weniger als reine „Eingangsprüfung“ gesehen. Anfangs begann der „richtige Produktionsworkflow“ erst nachdem eine Datei erfolgreich den Preflight bestanden hatte. Zunehmend wurde Preflight jedoch als Teil des Workflows wahrgenommen. Software war jetzt verfügbar, die Eingangsdateien gezielt auf den Preflight vorbereitet. Jeder Drucker oder Vorstufenverantwortliche konnte mit Hilfe von Software-Einstellungen selbst definieren, welche Dateikriterien als Fehler klassifiziert beziehungsweise welche Dateieigenschaften automatisiert korrigiert werden sollen.

  • Wenn ich weiß, dass Schriften eingebettet sein müssen, dann kann ich eine Software nutzen, um fehlende Schriften automatisiert vor dem Preflight einzubinden
  • Wenn ich weiß, dass keine transparenten Elemente zum RIP gelangen sollen, dann kann ich diese vor dem Preflight flachrechnen
  • Wenn ich weiß, dass mein RIP keine Seiten mit mehr als 1.000.000 Elementen verarbeitet, dann kann ich solche Seiten vorab vereinfachen und idealerweise für die schnelle RIP-Verarbeitung optimieren
  • usw.

Prozesskette in Asura

 

Es begann also ein Wettlauf: Einerseits bauten Kunden in Dateien immer mehr und mehr Fehler ein, die nicht in den Druck gelangen durften. Andererseits wurde Software entwickelt, um diese Fehler automatisch zu korrigieren. Und wie immer war es so, dass es unterschiedliche Angebote gab. Manche sehr günstig dafür mit stark eingeschränkter Funktionalität; andere erforderten einen höheren Invest, boten dafür aber wesentlich mehr an Automatisierungsmöglichkeiten. Manche stagnierten in ihren Möglichkeiten, andere entwickelten sich kontinuierlich weiter.

Preflight war in diesen Workflows nicht mehr die Eingangsprüfung, sondern die letzte Instanz um herauszufinden, ob alle produktionsrelevanten Anforderungen erfüllt sind. Das wiederum führte dazu, dass im Workflow bereits die nächsten, automatisierten Schritte definiert werden konnten, z.B. falls Preflight = Fehler, dann automatische Info an die Prepress-Abteilung.

 

Der Trend in den 2010ern war, die Kundendaten nicht mehr als unveränderlich hinzunehmen, sondern sie bewusst und gezielt so zu manipulieren, dass sie im Druck korrekt erscheinen. Preflight hat sich gewandelt von einer Vor-Prüfung hin zu einer End-Prüfung.

 

Preflight heute

Preflight wurde im Laufe der Jahre immer mehr verfeinert. Der Asura Preflight zum Beispiel findet über 130 unterschiedliche Dateieigenschaften. Dieses Wissen über die Beschaffenheit einer Datei wird heute nicht mehr nur genutzt, um Dateien – wie ein Torwächter – von der Produktion fernzuhalten. Heute verbindet man Preflight-Ergebnisse mit Metadaten, und zwar in zwiefacher Hinsicht:

  1. Preflight nutzt Metadaten, um Dateieigenschaften dynamisch mit den Auftragsdaten zu vergleichen
  2. Preflight-Ergebnisse werden als Metadaten genutzt

 

Was sind Metadaten und warum sind sie wichtig?

Metadaten sind Eigenschaften, die eine Datei beschreiben. Sie können entweder in einer separaten Datei (xml Jobticket) mitgeliefert werden oder aber in der Produktionsdatei selbst stecken (Dateieigenschaften). Außerdem können mit einem Preflight auch Eigenschaften gefunden werden, die nicht sofort offensichtlich sind.

Wenn zur Produktion ausschließlich die reine PDF-Datei genutzt würde, dann müsste zwangsweise jede Datei absolut gleich verarbeitet werden, weil man keine Hinweise auf besondere Anforderungen oder Eigenschaften von Dateien hat. Berücksichtigt man aber Metadaten, dann hat man eine viel größere Datenbasis, um eine gezielt gesteuerte Verarbeitung zu gewährleisten.

 

Metadaten als Input für den Preflight

Hier verdeutlicht ein Beispiel sehr schön die Wichtigkeit von Metadaten: angenommen ich will prüfen, ob Dateien das korrekte Seitenformat haben. Dieser Wert ist abhängig vom Druckprodukt, woraus folgt, dass für jedes Druckprodukt ein extra Preflight oder gar eine extra Produktionslinie nötig sind.

Preflight muss also nicht nur die Produktionsdatei kennen, sondern auch die Bestelldaten. Diese können zum Beispiel als XML-Daten vorliegen. Preflight kann also den Seitenformat-Wert der Bestelldaten nutzen, um zu prüfen, ob die tatsächliche Produktionsdatei den Bestelldaten entspricht. In der Folge kann Preflight entweder das Seitenformat automatisch korrigieren lassen oder aber die Datei mitsamt Fehlerbeschreibung zurückmelden.

 

Metadaten als Output des Preflight

Preflight liest ja nicht nur die Header-Information einer Datei aus, sondern untersucht diese auch grundlegend. Preflight findet mehr als 130 Dateieigenschaften! Alle diese Analyse-Ergebnisse stehen im weiteren Workflow als zusätzliche Metadaten zur Verfügung. Einige Vorteile:

  • Falls Preflight Transparenzen entdeckt, werden Dateien zum Flachrechnen weitergeleitet – und nur dann. Ohne Nutzung der Preflight-Ergebnisse müssten sicherheitshalber alle Dateien flachgerechnet werden, was unnötige Workflow-Last erzeugen würde.
  • Preflight kann untersuchen, ob die Datei rein aus Grautönen aufgebaut ist oder CMYK-Anteile enthält und  in Abhängigkeit davon die Datei an unterschiedliche Druckmaschinen senden.

 

Wo geht die Preflight-Reise hin?

Preflight hat sich gewandelt von einer händischen Sichtkontrolle, um Dateien frühzeitig von der Produktion auszusondern, hin zur dynamischen Endkontrolle automatisch für die Produktion aufbereiteter Daten. Preflight ist Metadaten-kompatibel und damit Grundlage für die intelligente Workflowsteuerung.

Preflight wird in der nächsten Evolutionsstufe nicht mehr konfiguriert werden müssen und wird intelligent werden; davon bin ich überzeugt:

  • Preflight wird wissen, welches Druckprodukt mit einer Datei erzeugt werden soll, und wird dann sämtliche Workflow-Entscheidungen selbständig treffen
  • Preflight wird Dateien analysieren und die Ergebnisse dieser Analyse dazu verwenden, nötige Dateimanipulationen zu veranlassen
  • Preflight wird das neue Gehirn jedes PDF-Druckproduktions-Workflows

 

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